B. Küchler / G. Klein: Stufenentwicklung in der Praxis

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Jenseits von Buzzwords.

An dieser Stelle teile ich Gedanken, Ideen und Strategien rund um vertikale Entwicklung und Veränderung – angeregt durch wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungen aus meiner eigenen Praxis und aktuelle Fachdiskussionen.

B. Küchler / G. Klein: Stufenentwicklung in der Praxis

Was ist das für ein Buch?

Stufenentwicklung in der Praxis ist ein umfassendes Praxis- und Orientierungswerk zur Stufenentwicklung – die ich vertikale Entwicklung nenne – in Organisationen. Küchler und Klein verbinden darin die Forschung zur Ich-Entwicklung mit ihrer langjährigen Beratungserfahrung.

Das Werk ist eines von drei Büchern, in denen Barbara Küchler, teilweise gemeinsam mit Gerhard Klein, unterschiedliche Perspektiven auf Stufenentwicklung vertieft: ein grundlagenorientiertes, dieses mit Schwerpunkt Organisationsentwicklung und eines mit stärkerem Fokus auf die individuelle Ebene. Die beiden anderen werde ich hier ebenfalls noch besprechen.

Was deckt das Buch ab?

Im Kern setzt das Buch fünf Schwerpunkte:

  1. Grundlagen der Stufenentwicklung: Küchler und Klein erläutern die Logik von Entwicklungsstufen und das Zusammenspiel individueller und kollektiver Entwicklung. Außerdem führen sie fünf Wesenselemente einer Organisation ein: Individuum, Sozialsystem, Führungssystem, Organisationsinstrumente und Aufgabenkomplexität.
  2. Entwicklungsprozesse gestalten: Sie beschreiben, wie Entwicklungsziele bestimmt, Veränderungsenergie mobilisiert und Interventionen vorbereitet, umgesetzt und reflektiert werden können.
  3. Organisationen auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen: Den größten Raum nimmt die Beschreibung der für die Praxis relevanten Stufen ein. Jede Stufe wird entlang der Wesenselemente betrachtet. Dadurch werden Unterschiede sehr nachvollziehbar und fassbar.
  4. Stufenspezifisch intervenieren: Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Interventionsdesign, der Rolle der Entwicklungsbegleitung und den Herausforderungen der Übergänge zwischen den Stufen.
  5. Integrative Perspektive als Ausblick: Abschließend skizzieren Küchler und Klein das Potenzial der sich gerade herausbildenden integrativen Stufe. Da sie bislang keine Organisationen auf dieser Entwicklungsstufe gefunden haben, beschreiben sie diese vor allem aus der Perspektive des Individuums. Damit deuten sie visionär Qualitäten zukünftiger Organisationen an.

Wie ich das Buch nutze

Das Buch war für mich ein sehr wertvoller Einstieg in die konkrete Praxis der vertikalen Entwicklung. Heute nutze ich es vor allem als Nachschlagewerk.
In konkreten Projekten hilft es mir, meine Einschätzung der Handlungslogiken von Menschen und Organisationen sowie Ideen für Interventionen zu überprüfen. Die differenzierten Stufenbeschreibungen helfen mir außerdem, mein Detailwissen zu diesen Handlungslogiken zu festigen.

Dinge, von denen ich besonders profitiert habe

  1. Organisationen über ihre Wesenselemente verstehen
    Küchler und Klein betrachten Organisationen entlang der fünf Wesenselemente, die sich wechselseitig beeinflussen. Besonders wertvoll wird das Modell für mich dadurch, dass sie für jede Entwicklungsstufe zeigen, wie diese Elemente jeweils ausgeprägt sind und wie sie sich beim Übergang zur nächsten Stufe verändern.
    Damit machen sie Organisationen für eine pragmatische Analyse und für Gespräche mit Kunden wunderbar greifbar.

  2. Differenzierte, praxisorientierte Stufendefinitionen
    Küchler und Klein beschreiben die individuellen Entwicklungsstufen anhand von 11 bis 16 am Arbeitsplatz beobachtbaren Kompetenzen. Dazu gehört zum Beispiel, wie Lernen erfolgt, wie mit Fehlern und Problemen umgegangen wird oder wie die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung ausgeprägt ist.
    Für mich macht diese Differenziertheit das Modell in Projekten wertvoll. Sie hilft mir, Entwicklungsstände nicht nur grob zu verorten, sondern konkrete Ansatzpunkte für weitere Entwicklung zu erkennen.

  3. Vertikale Entwicklung erfolgt evolutionär
    Küchler und Klein verstehen vertikale Entwicklung als evolutionären Prozess. Viele kleine Impulse lösen jeweils eine begrenzte Überforderung aus und erfordern dadurch Anpassungen. Mit der Zeit führen sie so zu grundlegender Veränderung.
    Für mich ist das angesichts der Größe der angestrebten Veränderung unmittelbar einleuchtend. Zugleich macht dieser Ansatz Organisationsentwicklung aus meiner Sicht praktikabler und mit überschaubaren Budgets umsetzbar. Außerdem schützt er vor der Erwartungsfalle groß angekündigter Change-Initiativen.

  4. Analytisches Denken und feine Prozesswahrnehmung verbinden
    Küchler und Klein beschreiben immer wieder, wie sie in der Entwicklungsbegleitung analytisches Denken mit Empfinden, Fühlen und Intuieren zu einer feinen Prozesswahrnehmung verbinden.
    Für mich wird Organisationsentwicklung dadurch in ihrer tatsächlichen Dynamik greifbar.

Für wen lohnt sich das Buch?

Das Buch lohnt sich besonders für Personal- und Organisationsentwickler:innen, Führungskräfteentwickler:innen, Berater:innen und HR-Verantwortliche, die vertikale Entwicklung praktisch einsetzen wollen oder ihren Einsatz erwägen.

Weniger geeignet ist es für Leser:innen, die sich schwerpunktmäßig mit der wissenschaftlichen Fundierung auseinandersetzen oder vor allem konkrete Tools und Formate suchen.

Fazit

Stufenentwicklung in der Praxis ist für mich ein sehr praxistaugliches Buch. Seine besondere Stärke liegt darin, wie theoretische Grundlagen, Organisationsdiagnose, Entwicklungslogik, Interventionen und die Rolle der Entwicklungsbegleitung ineinandergreifen. Vieles aus der anspruchsvollen Theorie wird so übersetzt, dass es sehr verständlich wird, ohne trivial zu werden oder an Tiefe zu verlieren. Dabei verbinden Küchler und Klein fundierte theoretische Grundlagen mit langjähriger Beratungserfahrung – und genau diese Verbindung macht das Buch für mich besonders stark.

Für Menschen, die mit vertikaler Entwicklung in Organisationen arbeiten wollen, ist es für mich eines der stärksten deutschsprachigen Praxiswerke.

Quelle:
Küchler, B. & Klein, G. (2021). Stufenentwicklung in der Praxis. Norderstedt: BoD – Books on Demand.

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